Bild Ausstellung Biologische Vielfalt
Bild Simulationsspiel
 
 Schatzküste  /  225strand
Strandanwurf am Zingster Strand - ein wichtiger Lebensraum für Kleinstlebewesen und gleichzeitig Nahrungsquelle für Wat- und Ufervögel

Nachhaltiges Strand-
beräumungskonzept

 

»Sauberer« Strand im Einklang mit der Natur

Um einer naturnahen Entwicklung von Strandbiotopen Raum zu geben, werden an touristisch intensiv genutzten Stränden Alternativen zur üblichen »Totalberäumung« des Strandgutes entwickelt.

Dazu werden gemeinsam mit der Gemeinde Zingst unterschiedliche Beräumungsstufen zwischen »gänzlich naturbelassen« und »komplett beräumt« erprobt, um eine für Natur und Tourismus attraktive Variante zu entwickeln. Die Verfahren des neuartigen Strandberäumungskonzeptes werden im Verlauf immer weiter verbessert.

 

Gäste, Einheimische und Schulklassen werden im Rahmen der zukunftsfähigen Bildung in die Entwicklung eines nachhaltigen Strandberäumgunskonzeptes mit einbezogen. Hier können Groß und Klein, von fachkundigen Projektmitarbeiterinnen angeleitet, viel über die Biologische Vielfalt an Spülsaum und Strand lernen. Durch Müllsammelaktionen, bei denen der Strand vom angefallenen Müll gereinigt wird, eignen sich Kinder wie Erwachsene zudem Kompetenz in Sachen Nachhaltigkeit und Müllvermeidung an.

Die öffentlichen Termine stellen wir in unseren Kalender ein. Machen Sie mit!

Lesen Sie hier mehr zum Thema "Strand und Spülsaum - ungeahnte Lebensvielfalt"

 

 

Es nimmt kein Ende mit dem Müll!
An einem Sommertag gesammeltes "Strandgut". Zigarettenkippen fallen bei Weitem am häufigsten an.

Mittwochs, 10 Uhr: Strandführungen in Zingst

Wo leben Moostierchen, warum bilden manche Algen Blasen und welche Pflanze hat kilometerlange Wurzeln? Unsere Umweltpädagogen vom Projekt Schatz an der Küste verraten bei ihren Entdeckertouren in Zingst spannende Strandgeheimnisse.

Am liebsten würden die Schüler aus Schönwalde bei Berlin über den herrlichen, weichen Strand von Zingst ins Ostseewasser rennen, Kleckerburgen bauen, Drachen steigen lassen oder einfach nur in der Sonne liegen. Doch an diesem Mittwochvormittag wird ihr Urlaubsparadies zum Forschungsobjekt. „Sammelt alle Pflanzen und Tiere, die ihr am Strand finden könnt“, fordert Umweltbiologin Nicola Boll die Kinder auf. Neugierig laufen die Elf- und Zwölfjährigen los. Zehn Minuten später begutachten alle zusammen die Funde. „Muscheln, Tang, Seegras, das alles hat das Meer angespült“, erklärt die Biologin. „Wir sitzen gerade am Spülsaum der Ostsee. Hier spuckt das Meer aus, was schon abgestorben ist.“ Sie hält eine grüne Pflanze in die Luft, die einer glibschigen Gummischlange ähnelt. „Die Bläschen sind eine Art Schwimmflügelchen, die den Blasentang aufrecht im Wasser halten. Diese Alge lebt auf Felsen und Steinen, ist ein Zuhause für Muscheln und Krebse.“ Nicola Boll greift zu einer kleinen, weißen Muschel. „Wie alt ist diese Herzmuschel“, fragt sie die Schüler. Alle zucken ratlos die Schultern. „Schaut mal, die Muschel bildet Wachstumsringe ähnlich wie bei einer Baumscheibe.“ Jakob zählt: „Eins, zwei, drei … die Muschel ist sechs Jahre alt geworden.“

Artenvielfalt an der Schatzküste „Unsere Region, die Küste der Ostsee, ist reich“, betont Strandführerin Nicola Boll. „Artenreich! Bei uns überleben Tiere und Pflanzen, die in anderen Regionen längst verschwunden sind. Damit haben wir einen richtigen Schatz an der Küste. Und weil das so selten ist, gehört dieser Schatz zu 30 Hotspots der Biologischen Vielfalt, die besonders durch die Bundesrepublik gefördert werden. Wir kümmern uns darum, dass es Bereiche am Strand gibt, in denen die Tiere und Pflanzen ungestört bleiben. Wir richten Kinderzimmer für Kegelrobben ein, in denen sie ungestört ihren Nachwuchs aufziehen können. Und wir sorgen dafür, dass die Menschen erkennen, dass der Sand lebt.“

Der Bund für Umwelt und Natur Deutschland (BUND) in Rostock ist einer von neun Partnern des Projektes Schatz an der Küste. Biologin Nicola Boll bietet gemeinsam mit zwei weiteren Mitarbeiterinnen des BUND diese kostenlosen Strandexkursionen an. „Die meisten Urlauber, aber auch Einheimische, ahnen gar nicht, wie spannend der Strand ist. Sie denken, der Sand enthält wenig Lebendiges. Dabei ist er sehr nahrhaft. In geschützten Strandbereichen, die nur wenig betreten werden, entwickelt sich schnell eine erstaunlich Artenvielfalt.“ Sie zeigt auf vereinzelte, grüne Grashalme, die sich zaghaft aus dem Sand recken. „Das ist Strandhafer. Einerseits ein Genie, andererseits eine echte Mimose. Um sich im Sand festzukrallen, bildet er ein kilometerlanges, verzweigtes Wurzelwerk über mehrere Etagen.“ Die Schüler stutzen: „Und warum ist dann weit und breit kein Strandhafer am Ufer zu sehen?“ Die Biologin erklärt: „Ein paar Tritte reichen schon, ihn so zu verletzen, dass er abstirbt.“

Nach einer knappen Stunde geht es auf den Rückweg. Nicola Boll verteilt Eimer und Handschuhe. „Nehmt auf dem Rückweg gleich den Müll mit, den ihr findet.“ Auf den ersten Blick sieht der Ostseestrand sauber aus. Umso erstaunlicher, was die Schüler alles aufsammeln: Dutzende Zigarettenkippen, Papiertaschentücher, Verpackungen, einen ganzen Eimer voll. „Ich habe sogar eine leere Sektflasche gefunden“, schimpft Marlene. „Dabei stehen an jedem Ausgang Müllcontainer. Ich finde es doof, dass die Leute ihren Müll nicht mitnehmen.“ Müll, der nicht von den Schiffen stammt, sondern von den Strandbesuchern achtlos weggeworfen wurde.

Und wo leben nun die Moostierchen? Nicola Boll hat es den Kindern verraten. Wenn Sie es auch wissen wollen, dann machen Sie doch einmal eine Strandführung mit. Die Entdeckertouren starten jeden Mittwoch, 10 Uhr, am Experimentarium und sind kostenfrei. Anmeldung unter: experimentarium@zingst.de, Telefon: +49 (0)38232 84678

Susanna Knotz (li.) und Nicola Boll (re.) am Zingster Strand.
Strandfunde in Zingst. Fotos: Andreas Krone für OSTSEESTIFTUNG